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Gesundheitsnachrichten


Ein Jahr nach EHEC  17.05.2012

Angst, Panik, Tote: Die größte deutsche EHEC-Epidemie kostet 53 Menschen das Leben. Die Krise beginnt vor einem Jahr. Sie offenbart Lücken im deutschen Gesundheitssystem.

Es war wie ein böser Spuk: Vor einem Jahr beginnt ein aggressiver Typ des Lebensmittelkeims EHEC Deutschland in Angst und Schrecken zu versetzen. Fast 4000 bis dahin kerngesunde Menschen kommen mit Bauchkrämpfen und blutigem Durchfall zum Arzt, hunderte liegen plötzlich auf Intensivstationen und ringen mit dem Tod. 53 Patienten kostet der mysteriöse und bisher größte EHEC-Ausbruch in Deutschland zwischen Anfang Mai und Anfang Juli 2011 das Leben.

Auch wenn Sprossen aus ägyptischen Bockshornkleesamen-Lieferungen wie in einem Krimi schließlich als Übeltäter überführt werden, offenbart die Krise Lücken im Gesundheitssystem. Und die Mikrobiologie biete heute mehr Möglichkeiten bei Lebensmittel-Erkrankungen als Deutschland nutze, sagen Experten vom Berliner Robert Koch-Institut (RKI).

Die EHEC-Epidemie trifft vor allem Norddeutschland. Den Beginn des Ausbruchs datiert das RKI auf den 8. Mai in Friesland, danach steigt die Kurve steil an. Am 19. Mai schlägt Hamburg Alarm. Die Krankenhäuser der Hansestadt behandeln kurz danach 900 Patienten. Ärzte und Pflegepersonal geraten an ihre Leistungsgrenzen. Patienten kämpfen mit immer neuen Symptomen: Nierenproblemen oder hämmernden Kopfschmerzen. Bislang traf EHEC vorwiegend Kinder, nun sind es meist gesunde Erwachsene - vor allem Frauen, die sich gesund ernähren.

„Die Schwere der Krankheitsbilder belastete mich", erinnert sich Nierenspezialist Rolf Stahl am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Noch immer kommen 120 Patienten zur Nachsorge in die Klinik. Sie leiden unter Bluthochdruck, Nierenschäden oder Konzentrationsstörungen. Viele sprechen nur ungern über ihr Schicksal. „Die Patienten haben zum Teil fürchterlich schreckliche Erinnerungen an diese Zeit", sagt Stahl. „Die psychische Belastung war enorm, das muss man erst einmal verarbeiten." Vielleicht bleiben die Schäden ein Leben lang.

Auch auf politischer Ebene ist die EHEC-Panik in Hamburg noch gut in Erinnerung. „Wochenlang wussten wir nicht: Woher kommt das und wann wird es wieder aufhören", sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Im Vergleich zu früheren EHEC-Ausbrüchen weltweit kann sich das Tempo der Aufklärung - rund drei Wochen - im Rückblick zwar sehen lassen. An der EHEC-Angst ändert das wenig.

Im Februar 2012 sorgt ein neuer Fall in Hamburg für Aufregung. Ein sechsjähriges Mädchen stirbt - aber die Ursache war definitiv ein anderer EHEC-Stamm als die gefährliche und aggressive O104-Kombination während der Epidemie. „Der Erreger ist vorhanden in der Natur", sagt die Senatorin. „Die Krankheit trat in der Vergangenheit auf und es wird sie auch weiterhin geben - hoffentlich nicht in dem Ausmaß wie im Frühsommer 2011."

Gegen EHEC-Erreger in einer globalisierten Lebensmittelbranche lässt sich in der Tat kaum etwas ausrichten. Verunreinigtes Wasser reicht aus, um fast jedes Lebensmittel zum Träger des Bakteriums zu machen. Verbessern aber lässt sich nach Ansicht von Experten zum Beispiel das deutsche Meldesystem nach dem Infektionsschutzgesetz. Bisher können zehn Tage vergehen, bis eine Infektion vom Arzt über das Gesundheitsamt an die zuständige Landesstelle und von dort elektronisch an das Robert Koch-Institut in Berlin übermittelt wird. Nur dort gibt es dann den bundesweiten Überblick.

Doch die politischen Mühlen mahlen langsam. Bereits im August 2011 lag ein Gesetzesentwurf für ein schnelleres System vor. Am 9. Februar beschloss der Bundestag dieses Gesetz. Doch der Bundesrat verlangte am 2. März die Überweisung in den Vermittlungsausschuss. Der Grund: die Kostenbelastung für die Länder. Vor Ende Mai werde das Gesetz nun voraussichtlich nicht in Kraft treten, heißt es beim Bundesgesundheitsministerium.

Dirk Werber, Infektionsepidemiologe am RKI, hält das verbesserte Meldesystem ohnehin nicht für den Königsweg. Schon heute könnten Labore Lebensmittelkeime aus Stuhlproben von Patienten viel präziser bestimmen als sie es oft tun, berichtet er. Es sei möglich, eine Art genetischen Fingerabdruck eines Erregers zu analysieren. Würde der dem RKI gemeldet, könnte die Bundesbehörde Ausbrüche bundesweit viel schneller orten und einordnen, sagt Werber.

Die USA setzten bereits auf diese „Feintypisierung" - und hätten damit sieben von zehn der größten lebensmittelbedingten Epidemien der vergangenen zehn Jahre entdeckt. Nach Ansicht der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat die Bundesregierung die Epidemie bis heute nur unzureichend aufgearbeitet. Schwachstellen in Lebensmittel-Überwachung und Gesundheitsschutz seien noch nicht beseitigt.

Doch zumindest vorerst ist der EHEC-Spuk vorbei. Die EHEC-Meldungen liegen im ersten Quartal 2012 auf dem Durchschnittsniveau der Vorjahre. Seit Ende März ist auch der Import von Bockshornkleesamen aus Ägypten wieder erlaubt. Am Hamburger Uni-Klinikum haben Ärzte aus den schweren HUS-Fällen gefolgert, dass Patienten eine bestimmte Antikörper-Therapie (Eculizumab) hilft, die für dieses Krankheitsbild bisher nicht zugelassen ist. Ende 2012 soll dazu eine Studie publiziert werden.

Von der Epidemie bleibt so nur noch die Schadenersatzklage eines Gemüseproduzenten. Er bezieht sich auf die Warnung vor spanischen Gurken, die vor der Enttarnung der Sprossen kurze Zeit als Ursache im Verdacht standen. Eine Fehleinschätzung. Hamburgs Gesundheitssenatorin sieht der Klage gelassen entgegen. „Die Gefahr war zu groß", sagt sie.

Quelle: Quelle: Berufsverband Deutscher Internisten, 16.05.2012
Erfasst am: 17.05.2012 


Was tun gegen Bluthochdruck?  17.05.2012

Anlässlich des Welt-Hypertonie-Tags am 17. Mai bietet die Deutsche Herzstiftung ein kostenloses Heft mit wichtigen Tipps zum Bluthochdruck im Taschenformat an. Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland und weltweit. Nach Schätzungen haben in Deutschland zwischen 18 und 35 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. Bluthochdruck hat die tückische Eigenschaft, dass er jahrelang keine Beschwerden verursacht und unbehandelt bleibt. Oft führen erst die katastrophalen Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks die Menschen zum Arzt: Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Nierenschädigung oder Minderung des Sehvermögens. Für die Vorbeugung und Behandlung dieser Erkrankung gibt es zahlreiche wichtige Hinweise und Fragestellungen zu beachten. Eine Auswahl davon, u. a. zu den Schweregraden des Bluthochdrucks, zur Blutdruckmessung (Wann? Wie? Welche Messgeräte?) und zur Medikamenteneinnahme, hat die Deutsche Herzstiftung in dem handlichen Heft Tipps zum Bluthochdruck zusammengefasst.

Frühzeitige und regelmäßige Messung wichtig
Die Senkung des hohen Blutdrucks rettet Leben und Gesundheit des Betroffenen, sie führt zu einer Zunahme der Lebenserwartung und auf Dauer zu einer besseren Lebensqualität. „Deswegen sind die frühzeitige Erkennung und eine konsequente Behandlung des Bluthochdrucks so wichtig, um es zu einer schleichenden schwerwiegenden Schädigung von Gehirn, Herz, Niere und Augen gar nicht erst kommen zu lassen“, sagt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Gerd Bönner, Ärztlicher Direktor der Klinik Baden-Privatklinik am Park-Klinikum Bad Krozingen und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. „Wir propagieren frühzeitig – beginnend beim Kinderarzt, später beim Hausarzt – regelmäßige Blutdruckmessungen bei jeder Routineuntersuchung und eine konsequente Behandlung, wenn die Werte zu hoch sind.“
Zu hoher Blutdruck ist definiert als eine mehrfach gemessene Erhöhung des Blutdrucks ab 140/90 mmHg. Der optimale Wert liegt bei 120/80 mmHg. Ab 40 Jahren sollte jedes Jahr mindestens einmal der Blutdruck gemessen werden, ab 50 Jahren halbjährlich. Tritt Bluthochdruck in der Familie bei Geschwistern, Eltern oder Großeltern auf, sollte ab 30 Jahren oder sogar früher der Blutdruck jährlich gemessen werden.

Gesunder Lebensstil essenziell für Vorbeugung und Behandlung
Für die Vorbeugung und die Therapie des Bluthochdrucks sind nicht nur Blutdruckmedikamente, sondern ein gesunder Lebensstil von großer Bedeutung. Dazu gehören eine gesunde Ernährung (Mittelmeerküche), regelmäßige Ausdauerbewegung, wenig Alkohol, wenig Salz und Entspannung bei chronischem Stress. Eine besondere Rolle spielt das Übergewicht, das als wesentlicher Faktor für die Entstehung von Bluthochdruck gilt und infolgedessen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mit sich bringt. Umgekehrt lassen sich Bluthochdruck und die Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes durch den Abbau von Übergewicht senken.
„Die Effekte der Lebensstiländerung für die Vorbeugung und Behandlung des Bluthochdrucks dürfen keinesfalls unterschätzt werden“, betont der Hypertensiologe Prof. Bönner. „Jede Behandlung eines mäßigen (140-159/90-99 mmHg) bis mittelschweren (160-179/100-109 mmHg) Bluthochdrucks sollte mit Änderungen des Lebensstils beginnen, da sie effektiv und frei von Nebenwirkungen sind.“ Ein mäßiger Bluthochdruck kann allein durch eine Lebensstiländerung normalisiert werden. Müssen Medikamente eingenommen werden, ermöglicht der gesunde Lebensstil, mit weniger Tabletten oder einer niedrigeren Dosierung auszukommen. Dadurch verringern sich automatisch die Nebenwirkungen.

Die „Tipps zum Bluthochdruck“ im Taschenformat können kostenfrei angefordert werden bei: Deutsche Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main, Tel.: 069 955128-0, Mail: info@herzstiftung.de


Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
wichert@herzstiftung.de
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Quelle: Quelle: Deutsche Herzstiftung, 15.05.2012
Erfasst am: 17.05.2012 


Betablocker senken das Darmkrebsrisiko nicht  17.05.2012

Seit Jahren haben Krebsforscher Hinweise darauf, dass die millionenfach gegen Bluthochdruck verschriebenen Betablocker das Krebsrisiko beeinflussen können. Zum Welt-Hypertonietag am 17. Mai erscheint nun eine detaillierte Studie aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, die diese Hypothese für Darmkrebs widerlegt.

Nach den derzeit geltenden Grenzwerten* haben 35 Millionen Deutsche einen zu hohen Blutdruck. Viele Hochdruckpatienten sind über Jahrzehnte auf blutdrucksenkende Mittel angewiesen. Hierzu zählen unter anderem die Betablocker, die gegen Bluthochdruck und bei Herzerkrankungen millionenfach verordnet werden. Allein die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstatten pro Jahr 2255 Millionen Tagesdosen dieser Wirkstoffe.

Einige Forscher postulieren, Dass Betablocker das Krebsrisiko senken könnten. Diese Theorie stammt aus Laborversuchen, die zeigen, dass das Stresshormon Noradrenalin Wachstum und Verbreitung von Krebszellen fördert. Betablocker hemmen die Wirkung dieses Signalmoleküls. „Bei einem so verbreiteten Arzneimittel ist es wichtig, mögliche Einflüsse auch auf das Krebsrisiken genau zu erforschen“, sagt Dr. Michael Hoffmeister aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Auch kleine Risikoveränderungen durch diese Substanzen hätten eine große Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit.“

Im Rahmen der „DACHS-Studie“ suchten Hoffmeister und Kollegen sorgfältig nach Beweisen für einen solchen Zusammenhang. Zwischen 2003 und 2007 interviewten sie in der Rhein-Neckar-Odenwald-Region 1762 Darmkrebspatienten und 1708 Menschen, die nicht an Krebs erkrankt waren. Die Forscher erfragten das Präparat und die Dauer der Einnahme, erkundigten sich nach medizinischen Hintergründen, nach Übergewicht und erfassten Lebensstilfaktoren wie Alkohol- und Zigarettenkonsum.

Sie fanden keinerlei Hinweise dafür, dass Betablocker das Darmkrebsrisiko senken, auch nicht bei langjähriger Einnahme. Auch für einzelne Präparate der Medikamentenklasse ließ sich keine Risikoreduktion nachweisen, ebenso wenig fanden die Forscher Zusammenhänge mit Tumoren in einzelnen anatomischen Abschnitten des Darms.

Setzten die Forscher die Stadienverteilung der Tumoren mit der Einnahme der Blutdrucksenker in Beziehung, fanden sie zwar eine Risikosteigerung für fortgeschrittene Tumoren (Stadium IV). Allerdings müsse dieses Ergebnis erst durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, da die Fallzahlen für diese Tumorstadien gering waren.

„Eine Stärke unserer Studie liegt darin, dass wir sorgfältig alle möglichen Störfaktoren abgefragt und die Ergebnisse entsprechend bereinigt haben“, erklärt Michael Hoffmeister. Der Forscher schildert die Fallstricke, die zu scheinbaren Zusammenhängen führen können: „Die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge senkt beispielsweise das Risiko für einen fortgeschrittenen Tumor, da mögliche Krebs-Vorstufen bei der Untersuchung direkt entfernt werden. Und Hypertoniker gehen vielleicht einfach öfter zum Arzt, der sie auf die Krebsvorsorge aufmerksam macht.“

*Nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga wird ab einem Wert von 140 / 90 mm Hg von Hypertonie gesprochen.

Lina Jansen; Janina Below; Jenny Chang-Claude; Hermann Brenner und Michael Hoffmeister Beta Blocker Use and Colorectal Cancer Risk - Population-Based Case-Control Study. Cancer 2012, DOI: 10.1002/cncr.26727

Quelle: Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum, 15.05.2012
Erfasst am: 17.05.2012